Das Versprechen – ein Ablauf

Durch einen Post in der Gruppe der DPSG in Facebook angeregt, entstand die Idee für diesen Blogbeitrag. Es ist bereits bekannt, dass jeder Stamm eine andere Versprechenskultur zu pflegen versteht. Dies kann verschiedene Gründe haben, beispielsweise daran, dass es den Stamm noch nicht so lange gibt, bzw. erst seit kurzer Zeit wieder aktiv arbeitet und daher eigentlich alles bezüglich pfadfinderischen Grundwerten Neuland ist. Daran negative Kritik von außen zu äußern, ist meines Erachtens schon mal ein großer Fehler. Im Normalfall hat alles seinen Grund – historisch, aus Überzeugung -, weshalb etwas so gemacht wird. Und gerade wenn es sich um einen Stamm handelt, dem die Versprechenskultur noch nicht vertraut ist, kann man als Erfahrener die Hilfe anbieten und von seiner Vorgehensweise berichten. In Facebook ist dies über die Kommentarfunktion schon im großen Umfang gemacht worden. Im Folgenden möchte ich nun meine persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema kundtun. Facebook bietet sich mir dabei nicht an, da es detaillierter wird.

Zunächst aber möchte ich etwas sehr wichtiges vorausschicken, nämlich die Definition des Versprechens:

Das Versprechen gegenüber den anderen, Gott und sich selbst.

In dem Stamm, in dem ich tätig bin, nimmt das Versprechen einen sehr hohen Stellenwert ein. Da es bei uns immer mit dem Wechsel des Halstuchs verbunden ist, also das neue Halstuch im unmittelbaren Anschluss an das persönliche Versprechen vom Leiter angelegt wird, ist es bei uns nicht gerade üblich “mit Halstüchern um sich zu schmeißen”. Soll heißen, wer ein Versprechen ablegt, hat es wirklich verdient.

Damit man das jetzt im Einzelnen richtig versteht, hier die Verfahrensweise:

Das Versprechen findet in der Regel jedes Jahr am zweitletzten Abend auf dem Sommerlager mit dem gesamten Stamm statt. Das Leitungsteam der jeweiligen Stufe bereitet für seine Stufe einen inhaltlichen Tag vor, d.h. Grundwerte der Pfadfinderei und insbesondere die Stufenziele werden behandelt. Dies kann auf verschiedenen Wegen durchgeführt werden. Da die Gruppe durch die vorangegangenen Tage auf dem Lager gut zusammen gefunden haben sollte, werden sehr gerne Vertrauensspiele mit ins Programm genommen. Den Kindern merkt man an diesem Tag nach meiner Erfahrung her an, dass es etwas ernstes ist. Auf unnötige Blödeleien verzichtet man – ach, wenn doch nur jeden Tag Versprechenstag wäre… ;-)

Natürlich weiß das Leitungsteam meist schon vorher, wer denn wohl sein Versprechen ablegen darf. Schließlich zählt nicht nur die Zeit auf dem Lager, sondern auch in den wöchentlichen Gruppenstunden heißt es sich auf die ein oder andere Art und Weise zu bewähren – das Gesamtpaket wird betrachtet, jedoch ist das Sommerlager besonders wichtig, da man hier ständig helfen kann usw. Meist kann man sich als Gruppenkind in etwa ausrechnen, wann es soweit ist. Meist legt man sein Versprechen nach zwei Jahren in der jeweiligen Stufe ab. Es gab aber auch schon Fälle, da wurde ein Versprechen vorgezogen – und leider ist es auch mal nötig, den Gedanken daran für ein Jahr zu verschieben.

Persönliches Versprechen

Die Vorbereitung auf das Versprechen findet am Vormittag und Mittag in der gesamten Stufe statt, da hierbei Wert auf das Versprechen vor der Gruppe gelegt wird. Außerdem behandeln wir meistens auch den spirituellen Teil mit der gesamten Gruppe. Im Verlauf des Nachmittags teilt sich dann die Gruppe. Diejenigen, die vom Leiter ein Versprechen zugesagt bekommen haben, bekommen bis zum Gottesdienst Zeit für sich, in der sie ihr ganz persönliches Versprechen ausformulieren. Der Leiter steht für Rückfragen natürlich weiterhin zur Verfügung. Außerdem sucht man sich jemanden im Stamm aus, von dem man das Versprechen abgenommen bekommen will. Im Regelfall ist das ein eigener Leiter. Eine Regel, dessen Quelle ich leider nicht auftreiben konnte, besagt angeblich, es bestünde die  Vorschrift, dass nur derjenige ein Versprechen abnehmen darf, der selbst das abzunehmende Halstuch der Stufe oder höher trägt. Kann auch sein, dass man dies in Sigmaringen so festgelegt hat.

Währenddessen bereiten die anderen Gruppenkinder den Gottesdienst für das Versprechen mit vor oder basteln Erinnerungsgeschenke.

Versprechen in der Pfadfinderstufe

Das Versprechen an sich findet innerhalb eines Gottesdienstes im Carré (gegen Kreise ist nichts einzuwenden) statt. Wir haben leider keinen Kuraten im Stamm, dennoch ergab es sich immer wieder, dass ein Geistlicher anwesend war (zuletzt 2009 der Kurat der Diözese Freiburg aufgrund einer Woodbadge-Verleihung). Der Abend ist immer sehr schön gestaltet. Mit Liedern untermalt und kurzen Texten kommt das Ablegen des Versprechens näher. Wenn es soweit ist, stehen der Vorstand und die Gruppenleiter der jeweiligen Stufe am Banner. Meist beginnt man mit den Wölflingen – natürlich immer vorausgesetzt, ein Wölfling legt sein Versprechen ab. Die Person, die das Versprechen abnimmt, bittet das Kind nach vorne. Damit man nicht vor Aufregung stirbt, ist die Reihenfolge meist vorher ausgemacht. Man setzt zum Pfadfindergruß an und hält diese Position bis zum Schluss (linke Hand greift die linke des anderen, rechte Hand mit den drei Fingern jedoch nicht in die Höhe strecken, sondern auf den Banner). Da die Wölflinge offiziell nicht Teil des WOSM sind, deutet man mittels zwei Fingern anstatt drei die Wolfsohren an.

Worte des Leiters

Nachdem man sein persönliches Versprechen abgelegt hat, folgen Worte des Leiters. Beim ersten Versprechen, das abgelegt wurde – schließlich handelt es sich bei den folgenden nur um Erneuerungen – folgt der Satz “Ich freue mich, dich hiermit in den Weltbund der Pfadfinder aufzunehmen.” (Muss natürlich nicht genau in dieser Form sein) Früher war das bei uns ebenfalls aufgrund besagter Gründe erst ab den Jungpfadfindern üblich, aber so streng wird das nicht gesehen. Das alte Halstuch – insofern vorhanden – wird vom Leiter abgenommen und das neue angelegt. Danach geht man noch zu den anderen Personen am Banner und grüßt. Oft stehen dann zwei andere Gruppenkinder stellvertretend für die anderen und überreichen ihr kleines Geschenk. Wieder in der Mitte des Banners grüßt man alle anderen, die im Carré stehen mit den Worten “Gut Pfad, Brüder und Schwestern.” Der Stamm erwidert mit einem “Gut Pfad.” und grüßt.

Hier habt ihn nun die Möglichkeit, in Form von bewegten Bildern einen Eindruck von unserem Versprechen zu erhalten:

 

2010 war der Himmel leider bedeckt, daher mussten wir in die Jurte umziehen…

Das war jetzt in sehr detaillierter Form die Art und Weise, wie in Sigmaringen meistens ein Versprechenstag abläuft. Darüber hinaus können noch viele weitere Dinge angesprochen werden, wie z.B. die Vorgehensweise bei der Aushändigung des Halstuches, der Lilie usw. Da hat jeder eine andere Methode. Bei uns gibt es Halstuch und Lilie zusammen – also beides erst nach einer gewissen Zeit in der jeweiligen Stufe. Andere verfahren anderweitig; da gibt es eine Menge Konstellationen. Über Erzählungen, wie das woanders gehandhabt wird, würden wir uns sehr freuen!

Früher wurde übrigens ein einheitliches Versprechen abgelegt. Das ist heute mittlerweile weniger üblich, auch nicht bei den Wölflingen. Wie schon in der Ordnung der DPSG steht, “drückt der Wölfling aus, dass er sein Bestes geben und sich an die Regeln halten will” (S. 36) und er sich “bewusst und freiwillig [entscheidet]” (S. 35), was in meinen Augen für ein persönlich formuliertes Versprechen bei Wölflingen spricht.

Ich habe HIER die Seiten aus der Ordnung zum Thema Versprechen in den Stufen bereitgestellt.

Das Versprechen, das auf BiPi zurückgeht, ist folgendes:

Das Pfadfinderversprechen

Bei meiner Ehre verspreche ich, dass ich mein Bestes tun werde,

Gott und meinem Land zu dienen;

anderen Menschen jederzeit zu helfen;

das Pfadfindergesetz zu befolgen.

(Pfadfinder, Baden-Powell: “Scouting for Boys”, S. 18)

Neben diesem festen Text, gibt es in den verschiedenen Verbänden ähnliche Abwandlungen – klick HIER.