Planlos im Westerwald | Teil 1

– wie ich mein erstes Mal Westernohe erlebte –

Nach gefühlten drölftausend Stunden Fahrt war es endlich soweit: gegen 21:30 Uhr am Freitagabend erreichten wir das Bundeszentrum der DPSG in Westernohe.  Wer es nicht kennt, sollte es unbedingt besuchen, vor allem, wenn es wieder heißt „Pfingsten in Westernohe“! Dieses Jahr war ich mein erstes Mal Pfingsten in Westernohe und will euch meine Erlebnisse berichten.

Die Idee, Pfingsten nach Westernohe zu fahren, entstand nach einer Stammesvorständekonferenz (StaVoKo) in meinem Heimatort, an der auch die Bezirksleitung (BL) und damit auch ich als Jupfireferent teilnahm. Nach dieser StaVoKo stellte unser Pfadireferent die Frage: „An alle Leut‘ aus der BL: Was haltet ihr von Pfingsten in Westernohe?“ Kurz mal das Datum abgecheckt, ok, des is  mein letzter Schultag, also sagte ich zu.

Für die nächsten Monate ging die Aktion unter, bis schließlich zwei Wochen vor Pfingsten eine Facebook-Gruppe gegründet wurde und so langsam „geplant“ wurde. Dass daraus nicht allzu viel wurde, könnt ihr meiner Überschrift entnehmen, diese Planlosigkeit sollte sich durch das gesamte Wochenende ziehen.

Die Fahrt begann für mich mittags um halb drei. Ich wurde von unserem Bezirksvorstand an unserem Pfadiheim abgeholt. Eigentlich war geplant, noch einen weiteren Pfadi aus dem Nachbarort abzuholen und dann direkt nach Westernohe zu fahren. Per Handy kam dann eine kleine Hiobsbotschaft: Das andere Auto, das eine andere Strecke fuhr und eigentlich noch jemanden hätte mitnehmen sollen, war voll. Daraus folgten für uns zwei Möglichkeiten: entweder wir machen einen riesigen Umweg und nehmen noch Material mit, oder wir nehmen eine weitere Person aus Ludwigsburg, das sowieso am Weg lag, mit. Also ließen wir uns von unserem Navi durch ganz Stuttgart leiten, um Ludwigsburg zu erreichen. Dort waren wir auf durch Handy übermittelte Anweisungen wie „Ihr nehmt die zweite rechts und dann links“ angewiesen. Blöd nur, dass wir aus einer völlig anderen Richtung als ursprünglich geplant kamen.

Doch was lange währt, wird endlich gut, und so konnten wir uns vollbeladen auf den Weg machen.  So kamen wir nach (staubedingt) etwa 6 Stunden Fahrt in Westernohe an.  Viel zu sehen bekam ich nicht, denn es dämmerte, als wir ankamen, und bis wir dann unseren Platz gefunden hatten, alle Formalitäten erledigt hatten und, ganz wichtig, unsere Jurte ankam, war es dunkel. Damit begann das Abenteuer „Zeltaufbau im Dunkeln“. Hier zeigte sich wieder einmal unsere Planlosigkeit: Wie stellen wir die Jurte? Nur ein Mast oder Dreibein? Innen- oder Außendreibein? Schlussendlich konnten wir uns einigen (Mast) und bauten die Jurte auf. Über den restlichen Abend wollen wir lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Soviel sei gesagt: nach erfolgter Übernahme des benachbarten Feuers ließen wir uns unsere Getränke schmecken.

Der nächste Morgen startete dort, wo der letzte Abend geendet hatte: im Schlafsack. Bis alle diesen verlassen hatten, dauerte es eine ganze Weile. Und wieder begann das Planen. Was wollen wir heute wo tun? Dazwischen mehrten sich die Stimmen, die nach einem Frühstück verlangten. Nach eingehender Diskussion über den Frühstücksort zogen wir dann mit Brot, Wurst, Käse, einem Topf Wasser (für Eistee) und nicht zu vergessen einer großen Box und Heringen los, um einen geeigneten Platz zu finden. Wir fanden unseren Platz oberhalb der Arena, mit einem fantastischen Ausblick auf…..drei Dixis. Dort setzten wir uns etwas abseits des Weges auf das Gras, frühstückten und „angelten“ nebenher nach unseren Heringen.  Vorbeigehende Passanten ermahnten wir, ruhig zu sein, da Heringe der Gattung „T-Hering“ bekannter weise nur beißen, wenn es absolut ruhig ist (ist ja klar, oder?). Ein Blick in unser „Aquarium“ veranlasste einige Leute zu verwirrten Blicken, die meisten aber begannen herzhaft zu lachen, einige blieben sogar stehen und versuchten ihr Glück selbst, doch niemand konnte einen Hering auch nur ansatzweise angeln, bis jemand auf die glorreiche Idee kam, einen Käscher zu basteln. Ein Käscher war wirklich eine gute Idee. Er war auch schnell gebastelt. Ein Kiwi-Netz diente als Netz und eine Astgabel als Halterung. Und tatsächlich, die nächste Wölflingsgruppe, die bei uns vorbeikam, schaffte es tatsächlich, einen Hering zu angeln.

Auf unserem Beobachtungsposten bekamen wir natürlich auch viele Leute zu sehen. Vielen sah man einen gewissen Öko-Touch an, bei anderen hätte (zumindest ich) sonst niemals vermutet, dass sie Pfadis sind….aber egal.

Jedenfalls, bis wir unseren Posten bei den Dixis räumten und wieder gen Jurte strebten, war zwei Uhr mittags schon lange vorbei. Wieder dort angekommen, stand uns wieder einmal eine Planungsrunde bevor.  Um die Sache abzukürzen, will ich nur sagen, dass wir uns auf Mittagessen einigten (auf den Tisch/Teller/Topfdeckel kamen echte schwäbische Maultaschen). Nächster Planungsversuch: spülen oder nicht spülen? Ergebnis: nicht spülen, es hat ja sowieso keinen Wert, des wird ja alles wieder dreckig. Was taten wir kurze Zeit später? Richtig! Spülen!

Fortsetzung folgt…

von Nikolai

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