Planlos im Westerwald | Teil 2

Zwischenzeitlich war es Abend geworden, und es war wieder an der Zeit was zu tun? Genau, ihr habt’s erfasst! Planen….

OK, Heftchen gezückt, was steht morgen auf dem Programm? Hm…..ein Tischkickerturnier in Lebensgröße, also eher ein Stangenfußballturnier. Gut, gehen wir hin. OK, es gibt aber auch noch ne internationale Essmeile im internationalen Zentrum….Auf einmal kam uns die Erleuchtung: Wir gehen zuerst zum Turnier und dann schlagen wir uns die Bäuche voll.

Was wurde aus dem Plan? Ihr wisst es….nichts. Aber ich greife vor.

Abends spielte in der Arena eine Band. Schon von weitem drang zu uns die Musik. OK, wir gehen hin, jeder nimmt ne Büchse Bier mit und dann…….Moment, es ist noch nicht acht Uhr abends (vor acht Uhr war Alkoholverbot auf dem Platz, wobei manch einer sogar die Bundesleitung (!) gegenüber unserer Jurte gesehen haben will, wie sie schon VOR acht Uhr ein Bierchen tranken, getreu dem Motto: „Irgendwo ist immer acht“, aber egal, ich schweife ab). Ja, dann gehen wir halt ohne Bier da hoch.

Oben angekommen, war einigen von uns schnell klar, das ist nichts für uns. Also trennten sich unsere Wege, einige gingen zum Zelt zurück, während die anderen versuchten, die Stimmung in der Arena zu heben (nur so als Randbemerkung: wir waren so ziemlich die einzigen, die über 16 waren und KEIN Bier dabeihatten).

Ich ging mit zurück und wurde am Nachbarfeuer von einem Betrunkenen in eine Diskussion zum Thema „Schwaben, Badener, Hamburger, Kölner – wo ist da der Unterschied?“  verwickelt. Wobei, Diskussion ist zu viel gesagt. Meine Gesprächsanteile beschränken sich auf „Hm“, „OK“, „Kann schon sein, aber….“ (dieses wurde meist unterbrochen), wobei mein Gegenüber stets betonte, er sei „Hamburger, Niederrheiner und Badener“ und er ja prinzipiell die unterschiedlichen Dialekte nicht unterscheiden könne.

Nachdem auch der Rest unserer Truppe heiser vom Konzert wiederkam, beschlossen wir, bis auf zwei Ausnahmen, ins Café zu gehen und – Trommelwirbel – wir gingen sogar (ich war heilfroh, meiner „Diskussion“ entkommen zu sein). Im Café lernten wir ein neues Spiel kennen: „Schön, dass du da bist“. Die Regeln sind ganz simpel: Jedem, der dir entgegenkommt, sagst du: „Schön, dass du da bist“ und gibst ihm ein Küsschen auf die Wange. Ein ganz nettes Spiel, vor allem, wenn man die entsprechenden Mitspieler hat.

Der Rest des Abends verlief harmonisch, doch muss ich die Gelegenheit nutzen und die Diskriminierung von Schwaben vor dem Café anprangern! Als wir, alles gute Schwaben, versuchten,  den Leuten in Westernohe unser oberschwäbisches Liedgut (das „Donaulied“) näherzubringen, wurden wir von einem Staff eiskalt ausgebremst, anscheinend weil es zu spät war und es ja Wölflinge gibt, die das hören könnten……. Ja ne, is klar, gerade an dem Platz, der am weitesten von allen Zelten entfernt ist…..

Als Schwabe in Westernohe hat man es sowieso nicht leicht. Alles und jeder redete dort so ein komisches Deutsch. Ein Beispiel: An diversen stark besuchten Orten (z.B. dem „Örtchen“) hingen Zettel, die für eine Pfadiaktion im Ruhrgebiet warben. Da stand dann wirklich drauf: „Die Einfahrt innen Schacht macht 35 Tacken“. Die Konstruktion „innen Schacht“ versteh ich ja noch, aber was sind denn bitte 35 „Tacken“? Sind das die kleinen Dinger, die man für einen Tacker braucht? Wenn ja, wäre das ja relativ günstig, zumal es die Dinger ja auch im 100er-Pack zu kaufen gibt. Ein freundlicher Mensch aus der Region klärte mich auf: mit „Tacken“ sind „Euro“ gemeint. Versteh einer die Leut da oben……..

Doch auch wir konnten Aufklärung über den Süden unserer Republik, vor allem über den Südwesten, leisten. Deshalb hier ein kleiner Crash-Kurs in Sachen Schwaben, Badener & Co.:

  1. Schwaben = gut, Badener=böse (aus schwäbischer Sicht, für einen Badener tausche man einfach Schwaben gegen Badener aus)
  2. Sagt nie einem Schwaben, dass er aus Baden kommt oder umgekehrt. Es gibt Berichte über Personen, die dies  nicht überlebten. Taktik: harmlos nachfragen, in welcher Region denn der Heimatort liegt, aus dieser kann man alles ableiten (z.B. Karlsruhe, Freiburg und Mannheim sind badisch, Stuttgart, Ulm und Ravensburg sind schwäbisch)
  3. Bayern = Ausland

Ihr verzeiht mir hoffentlich meinen kleinen Exkurs, es ist nur zu eurem besten, wenn ihr einmal einem Schwaben oder Badener gegenübersteht.

Fortsetzung folgt…

von Nikolai

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