Über Georg und Fidelis

Sankt Georg

Sankt Georg

Der 23. April ist der Namenstag des heiligen Sankt Georgs. Für die Pfadfinder der DPSG stellt dieser Tag deshalb eine Besonderheit dar, da der heilige Georg der Namensgeber des Verbandes ist. Gefeiert wird dieser Tag auf die unterschiedlichsten Art und Weisen. Wenn ich meinen eigenen Stamm als Beispiel nehme, so lässt sich schon intern ein großer Wandel feststellen, wie dieser Tag in den vergangenen zehn Jahren begangen wurde.

Erinnern kann ich mich insbesondere an einen Georgstag, den wir in Sigmaringen im Jahre 2002 groß gefeiert haben. Als Wölfling hat man in der Regel noch diesen Staubsauger eingebaut. Der Staubsauger, der Geschichten der älteren Pfadfinder nur so aufsaugt und im Beutel richtig verinnerlicht! Nun, mein Staubsauger war sogar so gut, dass ich nicht nur die Geschichte des Ritter Georgs kennen gelernt habe, sondern zusätzlich noch viele schöne Erinnerungen an den Tag abgespeichert – gar bildlich – habe. In der näheren Umgebung von Sigmaringen befindet sich die Ruine Hornstein. Ein idealer Ort, um die mittelalterliche Geschichte von Georg, dem König und seiner Prinzessin zu erzählen. Hierzu wurde später im Hof eine Jurte gestellt. Doch zunächst erreichte man die Ruine zu Fuß. Unterwegs traf man bereits an den verschiedensten Orten Hinweise an, die auf das Ziel schließen konnten. Am Tor zur Ruine hing dann ein großer gebastelter Drachenkopf. Man war gespannt!

Doch nun zum Aufbau der Jurte. Als Wölfling ohne Lagererfahrung bereits ein Riesen-Abenteuer! Bekanntermaßen wird dabei in der Regel viel Hilfe benötigt, sodass wir Wölflinge mit anpackten – auch wenn sich die Hilfe auf das Halten der Stangen beschränkte. Es war ein recht bedeckter Tag, sodass der gekochte Tee wortwörtlich heiß begehrt war. Ein Freund und ich – heute beide Vorstand in demselben Stamm – traten als kleine Wölflinge hinten den großen Top und schöpften mit einer riesigen Kelle das heiße Wasser. Das gab dann auch die ein oder andere kleine Sauerei…

In der aufgestellten Jurte feierte man zum Abschluss noch gemeinsam einen netten Gottesdienst. Natürlich inhaltlich zur Geschichte Georgs, die zuvor verlesen und auch gespielt wurde. Wir hatten ein Lagerfeuer und es wurde Gitarre gespielt. Der erste Eindruck, wie die Stimmung auf einem Sommerlager sein könnte, kam durch diesen Tag bereits auf. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht! Noch heute erinnert ein kleines Holzschwert – liebevoll in feinster Handarbeit gefertigt – an diesen schönen Tag und Georgs Taten.

Über die Jahre änderte sich der Brauch. Auf die Ruine Hornstein ging man meines Wissens nach nicht mehr. Ich kann mich jedoch an einen Nachmittag erinnern, an dem wir in einen Park gingen, direkt neben unserem damaligen Domizil des Stammes. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, in wiefern die Georgsgeschichte behandelt wurde. Dass wir Baseball gespielt haben, das weiß ich noch.

In nachfolgenden Jahren fand mal ein Georgstag statt, mal nicht. Mal beschränkte man sich auf einen Gottesdienst, mal auf einen Spielenachmittag – der Georgstag diente nur zum Anlass. In unserem ersten Jahr als Rover “beauftragte” man uns, einen Georgstag zu organisieren. Wir einigten uns auf das Verteilen von Rollenkarten (Georg, König, Prinzessin, Bürger, Schaf usw.), sodass jeder automatisch eine Rolle zugewiesen bekam. An Requisiten dachten wir natürlich auch. Einer von uns las nun die Geschichte vor, die Kinder (alle Stufen waren vertreten) übernahmen die bildliche Untermalung durch Gesten und Handlungsausbau. Eine Panne passierte nur in sofern, dass wir leider die Version erwischten, die um einiges blutrünstiger endet, als die andere…das wirkte insbesondere auf mich verstörend, weil ich die Geschichte so nicht kannte. Und ich war zunächst entsetzt! Im Grunde ist sie gar nicht so wild. Aber wenn man nicht damit rechnet, ist man zunächst schockiert. Der ein oder andere Wölfling hat nun durch uns eine etwas andere Version der Geschichte kennen gelernt. Ist aber in meinen Augen nicht weiter tragisch, der Kern der Aussage steckt an anderer Stelle der Geschichte.

Was man als Pfadfinder am Georgstag unternehmen könnte, stellt “Pfiffilotta” HIER zusammen.

Sankt Fidelis

Sankt Fidelis

Der andere Mann, dessen Name hier erwähnt sein soll, heißt Fidelis. Fidelis von Sigmaringen – bürgerlicher Name Markus Roy – war ein im 16. und 17. Jahrhundert lebender Geistlicher. Zuvor war er als Jurist tätig und trat in dieser Funktion insbesondere für Arme ein, weshalb man ihn auch als den “Advokat der Armen” bezeichnete. Seine Beweggründe, weshalb er Geistlicher wurde, lagen in der Korruption und Misswirtschaft der Zeit begründet. Er trat in seiner neuen Rolle als Missionar auf und versuchte den katholischen Glauben weiter zu tragen, gerade wegen der wachsenden Anhängerschaft des Protestantismus. In Folge von einem Aufstand während einer seiner Predigten in der Gemeinde Seewis trat Fidelis alleine die Reise nach Grüsch an. Sein Alleingang wurde im zum tödlichen Verhängnis. Eine Horde Bauern prügelten ihn zu Tode. Erzählungen nach soll Fidelis kurz vor seinem Tod folgendes gesagt haben:

„Ich bin derjenige, welcher eure Irrtümer nach Kräften bekämpft hat; ich bin derjenige, welcher euch den katholischen Glauben, dem ich selbst aus vollster Überzeugung zugetan bin, verkündet hat, ich bin zu euch gekommen, eure traurigen Irrlehren auszurotten, nicht aber um dieselben anzunehmen; seht zu, dass euch diese Tat nicht gereue.“

Fidelis, den Juristen, Geistlichen und Märtyrer ehrt man in seiner Heimatstadt Sigmaringen noch heute. Am 24. April, Todestag des Heiligen, findet jährlich ein großer Gottesdienst mit anschließender Prozession durch die Stadt in Begleitung des Volkes statt. Hierzu reisen immer nennenswerte Persönlichkeiten der katholischen Kirche an. Beispielsweise in den vergangenen Jahren Kardinal Karl Lehman – Bischof von Mainz -, der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart Gebhard Fuchs sowie Bruder Paulus, ein Kapuzinermönch.

Diesjähriger Träger der Reliquie des heiligen Fidelis während der Prozession durch die Stadt war Notker Wolf, Abtprimas der Benediktiner. Wir Pfadfinder nehmen jedes Jahr ebenfalls an diesem Event teil. Als Teil der Jugendarbeit in Sigmaringen haben wir nicht nur reservierte Plätze in der Kirche – direkt hinter den Ministranten der umgehenden Gemeinden -, sondern präsentieren die DPSG durch den Banner vor dem Altarbereich. Daneben steht z.B. auch ein Bannerträger der Malteser-Jugend. Wenn auch man die Kinder eher weniger für einen langen Gottesdienst begeistern kann, so spricht am Ende doch jeder Anwesende positiv über das Ereignis. Insbesondere die Prozession, bei der Kind und Kegel mit Kerzen in der Hand durch die Innenstadt ziehen – begleitet durch Chorgesang, der aus der Kirche über Lautsprecher übertragen wird – bleibt in Erinnerung. Es mag nun so wirken, als sei die Anwesenheit der Pfadfinder am Fidelisfest vielmehr representatives Pflichtbewusstsein als dass man sich bewusst FÜR den Gottesdienst entscheiden hat. Für den Sigmaringer Stamm stellt die Huldigung des Schutzpatrons der Stadt dennoch eine Besonderheit dar, da der Stamm nach ihm benannt ist.

So folgen also die Namenstage zweier für die Sigmaringer Pfadfinder bedeutende Heilige direkt aufeinander. Dass gleich zwei Feste in so kurzer Zeit ein Grund zum Feiern wären, stellt möglicherweise einen der Gründe dar, weshalb man sich in Sigmaringen mittlerweile entscheiden muss – Georg oder Fidelis.