Zeltchen wechsel dich – André bei SilWesternohe

Einige Wochen sind jetzt schon ins Land gezogen, Grund genug nochmal über SilWesternohe nachzudenken und ein wenig zu berichten. SilWesternohe, was ist das eigentlich?

Klirrende Kälte in Westernohe.

Klirrende Kälte in Westernohe.

Ganz einfach, es treffen sich ein paar hundert verrückte Pfadfinder über Silvester auf dem Bundeszeltplatz der DPSG in Westernohe. Warum verrückte? Ganz klar, niemand der nicht mindestens einen kleinen Schaden hat, würde es sich antun vier Tage lang bei Schnee und Eis zu zelten, schon gar nicht, wenn doch überall Partys ohne Ende sind. Trotzdem zieht es mich jetzt schon seit 2009/2010 immer wieder über Silvester nach Westernohe, natürlich auch sonst.

Achso ich, ja wer bin ich eigentlich? Mein Name ist André mittlerweile bin ich 22 Jahre alt und wohne in der schönen Kaiserstadt Aachen. Wenn ich mich nicht gerade mit irgendeiner Gruppe, der verschiedensten Vereine, irgendwo rumtreibe, dann sitze ich entweder in der Uni (kommt jedoch sehr selten vor) oder bin IT-Kram am basteln/ausprobieren. Bei den Pfadfindern musste ich in den letzten Jahren Leitungstechnisch leider etwas zurückschrauben, da dafür die Zeit fehlt, in Sachen Mitarbeit, zum Beispiel bei ScoutNet, bin ich jedoch immer noch aktiv.

Nun aber wieder zum wichtigen Teil, SilWesternohe. Dieses Jahr ging es für mich, anders als die letzten Jahre, mit einer komplett neuen Gruppe, die ich selbst auch nur über das Internet kurz kennengelernt hatte, in das Schneeabenteuer von Westernohe. Da ich zuvor noch auf dem 31C3 in Hamburg war, konnte ich am Anreisetag leider nicht beim Aufbau helfen und kam am 30. Dezember auch erst gegen 23:00 Uhr am Platz an. Mit dem Auto zum Platz fahren war dabei unmöglich, da der komplette Altenberg eine einzige Eisplatte war. Also Rucksack schnappen und eine kleine Wanderung antreten. Ich war doch sehr gespannt, auf was für eine Gruppe ich da gleich treffen würde.

Als ich es dann irgendwie geschafft hatte den Berg zu erklimmen, musste ich natürlich noch das richtige Zelt finden – bestimmt ein schwarzes – ich erinnerte mich daran, dass die Gruppe zwei Jurten aneinander bauen wollte. Okay, davon gab es immerhin noch weitere vier oder fünf Exemplare. Nachdem ich dann bei all unseren Nachbarn mit Doppeljurten einmal vorbei geguckt hatte, fand ich die Gruppe, die mich aufnehmen wollte.

Die Jurten standen schon fast komplett, nur eine Seitenbahn fehlte noch, die ich dann einzog, obwohl alle meinten, ich müsste das nicht machen, weil ich doch gerade erst angekommen sei. „Hey, ich kann bei euch schlafen, also kann ich auch mit anpacken!“

Am Abend lernten wir uns dann ein wenig am Lagerfeuer kennen und tranken noch etwas Bier, dass ich zum Glück mitgebracht hatte, da die Einkaufsplanung was Genussmittel anging von den Mädels der Truppe etwas falsch eingeschätzt wurde. Aber wie schon ein weiser Mann einmal sagte:

„Ein alter Pfadfinder ist voller Findigkeit. Aus allen Schwierigkeiten oder Nöten findet er einen Weg.“

– Lord Robert Baden-Powell

Der 31. Dezember verlief eigentlich so wie jedes Jahr: Es wird ein wenig aufgeräumt, den ganzen Tag gekocht und abends Tschai gemacht. Zwischendurch geht man bei ein paar anderen Zelten vorbei, um schon einmal Leute den Abend kennenzulernen oder es kommen Leute bei einem im Zelt auf nen Kaffee oder Bier vorbei. Und wer doch etwas mehr Action möchte, der Hilft beim Aufbau des großen Lagerfeuers in der Arena.

Nach dem Abendessen machten sich dann langsam alle Gruppen auf zur Arena, um gemeinsam ins neue Jahr zu starten. Mit vielen Liedern und kleinen Spielen vertreibt man sich die Zeit bis Neujahr oder startet mit einer 3-Wochenausgabe von Laurentia direkt mit Frühsport ins neue Jahr. Ab 03:00 Uhr an Neujahr zieht es dann aber alle wieder in irgendwelche Zelte. Für mich ging es in diesem Jahr mal wieder bis um 06:00 Uhr, ein Zelt feierte wohl sogar bis 08:00 Uhr.

Leider wollte die Gruppe, die mich so nett aufgenommen hatte, schon am 1. Januar 2015 (es fühlt sich immer noch komisch an 2015 zu schreiben…) wieder abreisen, da einer am 2. Januar schon wieder wieder arbeiten musste. Also hieß es für uns alle, nach dem Aufstehen anpacken, damit wir fertig sind, bevor der Transporter für das Material da ist, dass klappte natürlich nicht. ;) Aber kurze Zeit später waren wir dann fertig und konnten das Material verladen.

Nur stand ich jetzt vor einem Problem, ich hatte keinen Schlafplatz mehr und bei Schnee und Eis, nächtigt es sich nicht sehr gut unter freiem Himmel. Zwar hatte ich am Abend schon ein paar Gruppen angesprochen, die hatten aber keinen Platz mehr oder wollten selbst abreisen. Naja, es findet sich immer ein Weg, also verabschiedete ich erst mal „meine“ alte Gruppe und ging dann zu ein paar Zelten. Schon beim 2. hatte ich Erfolg, eine ziemlich verrückte Gruppe aus Bad Orb nahm mich auf. Nochmal vielen dank dafür, wenn ihr das lest könnt ihr ja mal ein Kommentar hinterlassen. ;) Auch hier wurde es ein sehr lustiger Abend, nicht zuletzt wegen den vielen ziemlich lustigen Geschichten, die die Gruppe zu erzählen hatte. Später am Abend kamen noch einige kleinere Gruppen aus anderen Zelten hinzu, sodass die Runde um das Feuer immer weiter erweitert werden musste. Auch hier Ende der Abend erst wieder um 05:00 Uhr – obwohl wir schon um 10:00 Uhr aufstehen wollten. Das schafften wir natürlich nicht.

Nach dem Aufstehen, gegen 12:00 Uhr, hatten alle um uns herum schon Abgebaut. Sogar die Aufenthaltsjurte von uns war schon dabei sich abzubauen, was wir aber zum Glück noch verhindern konnten, indem wir den großen Eissack, der sich gebildet hatte entleerten. Vermutlich hielt vorher nur die Bierflasche auf der Bierzeltganitur das komplette Dach oben, manchmal ist es eben doch gut nicht aufzuräumen.

Der letzte Tag war noch kälter als alle Tage zuvor, so dass wir eine komplett vereiste Jurtenfront hatten und die Abspannseile zusammen gefroren waren. Trotzdem schafften wir es erstaunlich schnell alles abzubauen und zu verstauen. Nach einem Abschlusskreis trennte sich schließlich auch diese Gruppe. Schön war es mal wieder in SilWesternohe.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass es eine sehr schöne Erfahrung war, mit komplett fremden Gruppen ein Lager zu bestreiten und vor allem Gastfreundschaft zu erfahren. Ein zusätzliches Sahnehäubchen hatte das ganze auch, ich musste keine Zelte zum Trocknen aufhängen und auch nicht sauber machen, obwohl ich der ersten Gruppe dabei helfen wollte. Mein Körper war da jedoch anderer Meinung und erzwang nach den 4 Tagen 31C3 und 4 Tagen SilWesternohe mittels Fieber eine Pause.

Na, Lust bekommen? Dann seid 2015/2016 auch ein Teil der verrückten Meute die nach SilWesternohe kommt!

Gut Pfad,
André

Im Jahr 2010 lag nicht so viel Schnee.

Im Jahr 2010 lag nicht so viel Schnee.